Meiningen - auch eine Stadt der
Eisenbahn MEININGEN
- Eine kleine Gruppe von unentwegten Hersbrucker Altstadtfreunden
fuhr stilgerecht mit dem Zug nach Meiningen, um die Ausstellung
"Meiningen unter Dampf - 150 Jahre Werra-Eisenbahn" zu besichtigen.
Diese Bahnlinie, die zur gleichen Zeit wie unsere Ostbahn errichtet
wurde, führte von Coburg über Hildburghausen nach Meiningen. In Thüringen war man seiner Zeit voraus. Kaum war die erste Eisenbahn 1835 von Nürnberg nach Fürth gefahren, so plante der Hildburghäser Unternehmer und Buchdrucker Joseph Meyer (bibliograph. Institut) eine deutsche Eisenbahn von der Nordsee zu den Alpen. Schon 1838 erfolgte die Planung und Streckenvermessung in Thüringen. Doch das Königreich Hannover ließ die Pläne 1838 platzen. Auch die 1845 geplante Nordsee-Mittelmeerbahn blieb in der deutschen Vielstaaterei ein Plan. So beschränkte man sich auf Thüringen und gründete 1855 die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft und gab Aktien heraus, durch die das Baukapital von acht Millionen Talern aufgebracht wurde. 1856 erfolgte der erste Spatenstich im Februar und im Oktober waren über 6700 Personen am Arbeiten. Am 1.11. 1858 kam der Zug von Eisenach um neun Uhr in Meiningen an und fuhr eine Stunde später über Eisfeld nach Coburg weiter. In der Ausstellung im Schloss Elisabethenburg werden die Eisenbahnpioniere im ersten Raum vorgestellt und ein Aquarell des Meininger Bahnhofs zeigt die Bedeutung der Bahn für das kleine Fürstentum. In den weiteren Räumen sind die Geräte und Pläne zur Trassierung zu sehen, dann die Arbeiten am Unterbau und den Gleisen, ebenso wie die Nachrichtenübermittlung, die Sicherung des Bahnverkehrs und das Signalwesen. Für die Damen gab es eigene Wartezimmer auf den Bahnhöfen, wie eine Installation zeigte. Ausführlich wurde das Reisen mit der Eisenbahn in Bildern geschildert und auch die Wagenklassen aufgezeigt, die von spartanisch bis luxuriös ausgestattet waren. Natürlich waren die Fahrpreise eine Betrachtung wert. Uniformen und Abzeichen konnten ebenso bestaunt werden wie die vielen Pläne und historischen Photos von Bahnhöfen, Wagenremisen und Bahnwärterhäusern. Arbeiter auf der Strecke und im Ausbesserungswerk, Nebenbahnen und ein Modell des Meininger Bahnhofs wurden neben vielen Originaldokumenten aus dm umfangreichen Aktenwerk gezeigt. Den Abschluss der Ausstellung bildete die Abteilung Bahnpost. Denn schon vier Wochen nach Eröffnung der Werra-Bahn begann die Postbeförderung. Viele Belege von seltenen Briefen, Briefmarken und Sonderstempeln ließen das Sammlerherz höher schlagen. Ein Rundgand durch die ständige Ausstellung mit ihren Schätzen zeigte das Leben am Meininger Hof. Nach dem Essen in einem traditionslokal wurde noch ein Stadtrundgang unternommen und ein besonders sorgfältig renoviertes Fachwerkhaus besichtigt, in dem der Dichter gedacht wird, die in Meiningen ihre Spuren hinterlassen haben: Jean Paul, Friedrich Schiller, Ludwig Bechstein und besonders Rudolf Baumbach, der fahrende Geselle, der in Triest einst das Lied "Hoch auf dem gelben Wagen" dichtete, zu einer Zeit, als die Eisenbahn erst einige Landstiche erobert hatten. "Schmuckstück" Bibliothek Der volkstümliche Dichter Baumbach hielt sich längere Zeit in Slowenien auf, bevor er nach Thüringen zurückkehrte und ein Haus in Meiningen erwarb. Seine Bibliotheksstube ist nun ein Schmuckstück in seinem einstigen Wohnhaus. Andere Räume mit Alt-Meininger Stadtansichten, Mobiliar und Porträts im Stil des Biedermeiers vermitteln bürgerliches Wohnmilieu, wie es für Meiningen typisch war. Zufrieden konnte man sich im Zug nun die Kataloge durchsehen und an die interessanten Objekte zurückdenken. Helmut Süß |