HZ - AUS DEN VEREINEN Schlösser im Osten Die Hersbrucker Altstadtfreunde vor dem Schloss Augustusburg HERSBRUCK — Bei starkem Nebel starteten die Hersbrucker Altstadtfreunde
zu ihrer Zwei-Tagesfahrt, doch dieser lichtete sich bei der Fahrt durch
das Zwönitztal und als Zschopau in Sicht kam, strahlte das Schloss
Wildeck in hellem Weiß. Die Kleinstadt mit heute nur noch 10.000
Einwohnern wurde schon 1286 erwähnt, befestigt und als Bergstadt ab
1493 bezeichnet. Der Stadtrundgang führt am alten Renaissancerathaus
vorbei zur Martinkirche einer hellen Barockschöpfung, in der die
Gedenktafel für den berühmten Pfarrer Valentin Weigel 1533 - 1588)
betrachtet wurde. Dieser Zeitgenosse von Nikolaus Selnecker wurde als
mystisch-theosophischer Schriftsteller bekannt, der volksfeindliche
Fürsten in seinen Predigten bekämpfte. Schloss Wildeck am Rande der Stadt hoch über dem Zschopautal stammt aus der späten Gotik, die historischen Räume mit schönen Holzdecken und Wandfriesen aus der Renaissancezeit beeindruckten die Besucher. Bekannt ist Zschopau als Stadt der Motorräder geworden und hier konnte man alles vorn dänischen Firmengründer Rasmussen und seinen ersten Produktionen ab 1907 erfahren. 1917 baute er einen Dampfkraftwagen, der das Kürzel 3KW trug. Bis 1939 wurden hier 500.000 DKW-Motorräder produziert; was 1920 mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor „Dem Kleinen Wunder“ begann. Auf Burg Scharfenstein konnte man die großartige Erzgebirgssammlung von Johannes Martin besichtigen. Zum Thema „Weihnachten" werden volkskünstlerische Schnitzwerke aller Epochen gezeigt; wohl sortiert nach Pyramiden, Engeln, Bergmännern, Räuchermännern Nussknackern und Schwibbögen. Schloss Augustusburg, wo 1568 der sächsische Kurfürst Augustus sein riesiges Jagdschloss errichten ließ, beeindruckte als monumentales Bauwerk mit seinen fünf Museen. In Freiberg wurde die Gruppe dann schon im Jugendstilhotel Alekto erwartet. Die ehemalige Besteckfabrik von 1919 wurde 1992 nach kurzem Leerstand zu einem außergewöhnlichen Hotel umgestaltet. Ältestes Stadttheater Noch ein Programmpunkt stand an diesem Abend an: Der Besuch im ältesten Stadttheater der Welt von 1799. Frisch gemacht und umgezogen waren die Besucher, als sie vor den Toren des Schauspielhauses mit Kirschsaft empfangen wurden, originell zur Premiere des „Kirschgartens“ von Anton Tschechow. Das Stück, in dem ein neureicher Emporkömmling die alten Kirschbäume abholzen lassen will, um den Garten als Bauplätze zu verkaufen, war wie geschaffen für die Altstadtfreunde die deshalb auch in den ersten Reihen saßen. Und so genoss man die großartige Aufführung und den Kirschkuchen in der Pause. Der folgende Sonntag wurde nach einem reichlichen Frühstück mit einem Kantatengottesdienst im Dom begonnen. Während der Domchor die Missa in C von W.A. Mozart zu Gehör brachte, konnte der Blick zu den zahlreichen Kunstwerken dieser großartigen spätgotischen Hallenkirche schweifen. In der anschließenden Domführung wurden die Kunstwerke vorgestellt und erläutert: die klugen und törichten Jungfrauen an den Pfeilern, die Bergmanns- und die Tulpenkanzel, das Triumphkreuz und die goldene Pforte aus der romanischen Zeit. und die Grablege der sächsischen Kurfürsten um nur die wichtigsten zu nennen. Und natürlich erklang auch die große Silbermannorgel, die der berühmteste Orgelbaumeister geschaffen hat. Bei der Stadtführung konnten nur einige der historischen Sehenswürdigkeiten besichtigt werden, wie die Nikolaikirche, die 1185 erstand und heute als Konzertsaal verwendet wird, und die vielen Renaissancegebäude rund um den Obermarkt, den der Löwenbrunnen als einziges Schmuckstück ziert. Vom Erker blickt Kunz von Kaufungen auf seinen Richtplatz, wo dieser Entführer der sächsischen Prinzen 1455 enthauptet wurde. Nach der wohlverdienten Kaffeepause wurde das Stadtmuseum besichtigt, das in einem Dornherrenhof von 1484 untergebracht ist. Schon das Gebäude ist mit seinen Sterngewölben und bemalten Holzdecken ein wichtiges Ausstellungsstück. Doch auch die Sachzeugnisse des Bergbaus, dem die Stadt ihren Reichtum verdankt, und die Entwicklungsgeschichte der Stadt werden großartig aufbereitet. Reich an Eindrücken genossen viele nun eine Ruhepause im sonnigen Inselcafe, während andere noch durch die Stadt schlenderten und Entdeckungen auf eigene Faust unternahmen. Nur die ganz unersättlichen besichtigten noch die „terra mineralia“, die größte Mineralogische Sammlung der Welt, die im renovierten Schloss Freudenstein (1505) seit letztem Jahr zu sehen ist. Dann brachte der Bus die Reisegruppe sicher wieder nach Hause. HELMUT SÜß |