Auf den Spuren der Eisenbahn Die Reisenden staunten darüber, dass noch 1939 ein Zehntel der 1500 Bewohner bei der Eisenbahn beschäftigt waren, und dass der Bahnhof über einen Kilometer vom Ort entfernt liegt und auf der Gemarkung Fichtenhof errichtet wurde, die damals zur Gemeinde Neidstein (heute Etzelwang) gehörte.
Bei Neukirchen,
genauer Schönlind, ist der höchste Punkt der 161 Kilometer langen
Ostbahnstrecke von Nürnberg bis Furth i.W. (450,99 in über dem Meeresspiegel).
Hersbruck liegt 344 m hoch. Diese Steigung von 105 Metern bei einer Strecke
von 18 Kilometern konnte für die schweren Koks- und Erzzüge nur mit
Schiebebetrieb überwunden werden. Da die Dampflok 01 zu leicht war, wurde die
44er Lok für Doppeltraktion oder zum Schub ab Pommelsbrunn und Hartmannshof
eingesetzt. Die Steigung von Sulzbach nach Neukirchen betrug zwar auch 51 m,
doch hier war kein Schub erforderlich, da die Züge vom Hüttenwerk meist leer zurückfuhren.
Die Erzbahn aus
Auerbach/Ranna war nur neun Jahre richtig in Betrieb, obwohl dort in 185 m
Tiefe über 25 Millionen Tonnen Eisenerz liegen. Nach Schließung der
Erzbahn erfolgte der Transport mit Muldenkippern. Später wurde auch er
eingestellt, da das Eisenerz aus Schweden hochwertiger war und billiger
geliefert wurde. Mit dem Niedergang der Dampfloks nach 1975 wurde auch der
Bahnhof Neukirchen stark verändert, hier waren ein Betriebswerk, Lokschuppen,
Drehscheibe, fünf Wasserkräne und ein Wohnturm für Lokomotivführer. Da eine Dampflok 33
Kubikmeter Wasser fassen kann, wurden hier gewaltige Wassermengen benötigt, obwohl
hier kein Gewässer vorhanden ist. So musste das Wasser der Etzelbachquelle
gefasst und durch eine Dampfmaschine vom Wasserwärterhaus aus hochgepumpt
werden. Es kam anfangs in einen Turm, später in einen Hochbehälter. Auch die
Versorgung der Lokomotiven mit Kohle musste sichergestellt werden. Der Bahnhof
Neukirchen wurde ohne Maschinen in Handarbeit in nur einem Dreivierteljahr
errichtet. Beim Bau wurde ein interessanter Bodenschatz gefunden, nämlich
Ockerfarbe. Die Farberde wurde in kleinen Schächten ans Tageslicht geholt.
Neben dem Bahnhof entstand so eine große Farbmühle, die später zu einer
Lackfabrik erweitert wurde. Diese Farbenfabrik war südlich der Bahnlinie
untergebracht. Der Ockerunternehmer war Johann Röseh, der auf der nördlichen
Seite der Bahn auch ein Gasthaus errichtete. Für die Arbeiter
beim Bahnbau 1859 war in Eichtenhof eine Kantine errichtet worden, im Lehental
stand eine „Kaserne, in der die Bahnarbeiter untergebracht wurden, ebenso in
der Baracke bei der Höhle in Etzelwang. Beim Bahnbau gab es auch viele Unfälle.
Der Bahnhof Neukirchen war wegen der Eisenwerke in Sulzbach und Amberg von
großer Bedeutung. Di.ese stieg noch, als 1873 bis 75 die Strecke nach Weiden
ausgebaut wurde. Im Gasthaus „Ram“
in der Ortsmitte ließ man sich die Brotzeit und das dunkle Holnsteiner Bier
namens „Ahnentrunk“ munden. Als alle gestärkt waren, begab man sieh in den
ersten Stock, wo Walter Schraml schon einen Projektor aufgebaut hatte und
zahlreiche Bilder von Alt-Neukirchen und Aufnahmen von der Eisenbahn zeigte.
Leider hatte er nur ein Bild von einer der ersten Dampfloks mit dem Ortsnamen
Lauf und kein Bild von der Lok namens Hersbruck, die es auch gegeben
haben soll. HELMUT SÜß |